Eleganz und Flair

 

Vorne Beistelltisch von Autoban, hinten Sessel „Blonde“ von Munna, Stehlampe „Sinatra“ von Delightfull, und Barcelona-Liege von Mies van der Rohe (bei Knoll).

 

Tischlampe „Taccia“ von Flos.

 

Vintage-Vasen auf einer Kommode von Established & Sons

 

„Tulip Chairs“ von Eero Saarinen, Esstisch „Ufo“ von Emmemobili, Luster: Anfang 20. Jahrhundert.

 

Fernsehzimmer mit elliptischem Couchtisch, bei Vitra.

 

Fernsehzimmer mit Eames Stools bei Vitra.

 

Kinderzimmer mit Wandmotiv.

 

Vernickelter Beistelltisch von Longhi, darauf Lampe „Tizio“ von Artemide

 

Master Bedroom

 

Ein Badezimmer der unteren Etage – der metallene Raumteiler ist auf einer Seite verspiegelt, auf der anderen mit grauem Samt gepolstert, das Waschbecken besteht aus dem Mineralwerkstoff Corian®.

 

Ein Blick in die Küche.

 

Cristina Jorge de Carvalho, geboren in Mosambik, studierte Interior-Design an der Inchbald School of Design in London. Anschließend kehrte sie in ihre Wahlheimat Portugal zurück, wo sie im Jahr 2000 das Atelier CJC – Interior Architecture and Design gründete. Mit einem Team aus Architekten, Innenarchitekten und Designern gestaltet das in Lissabon ansässige Studio weltweit Luxushotels, Showrooms, Spas, Büros und private Wohnhäuser. Das Angebot richtet sich an eine gehobene internationale Klientel und umfasst die Bereiche Grafik- und Branddesign ebenso wie Gartengestaltung und Landschaftsarchitektur. Jorge de Carvalho entwirft darüber hinaus selbst Möbel, Textilien und Teppiche, die meist als Einzelstücke produziert werden. Für die Innenarchitektur und Ausstattung des Altis Prime Hotel in Lissabon wurde das Atelier CJC im Rahmen der European Hotel Awards 2012 zweifach ausgezeichnet. Das Projekt gewann in der Kategorie „Best Hotel Interior for Europe“ und „Best Hotel Interior for Portugal“. Im selben Jahr holte man den prestigeträchtigen International Design Award in der Kategorie „Conceptual“ für einen Entwurf im Auftrag der Champalimaud Foundation. www.cjc-design.com

 

#1 März 2014

Symphonie in weiss und silber

350 Quadratmeter Wohnfläche, ummantelt von der lupenreinen Architektur eines Doppelhaus-Neubaus in der nordportugiesischen Stadt Vila do Conde, auf die, quasi zum Drüberstreuen, eine 100-Quadratmeter-Terrasse atemberaubende Aussichten bietet. Eine junge Unternehmerin und ihre zwei Söhne schwelgten im Bauherrenglück. Jedoch: Zum Einrichten des neuen Domizils fehlten der künftigen Bewohnerin „sowohl die Zeit als auch die Fähigkeiten“. Weshalb sie sich an eine der profiliertesten Kennerinnen in Sachen Interior-Design wandte: Cristina Jorge de Carvalho – Designerin, Innenarchitektin und immer dann zur Stelle, wenn nackter Rohbau nach maßgeschneidertem Outfit verlangt. In diesem Fall möglichst herzeigbar und elegant, dem Lebensstil der Bewohnerin entsprechend. Dafür räumte diese fast unbegrenzte gestalterische Freiheiten ein. „Idealbedingungen“, so Carvalho, die sich – selbst Kosmopolitin – immer dann am wohlsten fühlt, wenn glamouröser Lifestyle in coolem Understatement Ausdruck finden soll.

Die Eckdaten: Das Apartment erstreckt sich über zwei Ebenen, der Zugang liegt im oberen Stockwerk. Ein Fahrstuhl führt direkt in die Eingangshalle, von der sich in einer Richtung der Wohn-/Essbereich mit angegliederter Küche erschließt und in anderer das Fernsehzimmer, das seinerseits mit dem Büro verbunden ist. Die Räume der unteren Etage dienen dem persönlichen Rückzug: ein „Master Bedroom“ für die Hausherrin, zwei Kinderzimmer und ein Gästezimmer.
Ganz Innenarchitektin, nahm Carvalho zunächst eine kleine, aber bedeutende bauliche Änderung vor. Die Wand zwischen Eingangsbereich und Wohnzimmer wich einem schmiedeeisernen Gitter, womit nicht nur ein dekoratives Element geschaffen wurde, sondern sich auch eine neue Sichtachse auftat. Vor allem erlaubt es dem von der Fensterfront einfallenden Licht, sich ungestört in die hinteren Teile der Wohnung auszubreiten – dunkle Winkel sucht man hier also vergeblich.

350 Quadratmeter Wohnfläche, ummantelt von der lupenreinen Architektur eines Doppelhaus-Neubaus in der nordportugiesischen Stadt Vila do Conde, auf die, quasi zum Drüberstreuen, eine 100-Quadratmeter-Terrasse atemberaubende Aussichten bietet. Eine junge Unternehmerin und ihre zwei Söhne schwelgten im Bauherrenglück. Jedoch: Zum Einrichten des neuen Domizils fehlten der künftigen Bewohnerin „sowohl die Zeit als auch die Fähigkeiten“. Weshalb sie sich an eine der profiliertesten Kennerinnen in Sachen Interior-Design wandte: Cristina Jorge de Carvalho – Designerin, Innenarchitektin und immer dann zur Stelle, wenn nackter Rohbau nach maßgeschneidertem Outfit verlangt. In diesem Fall möglichst herzeigbar und elegant, dem Lebensstil der Bewohnerin entsprechend. Dafür räumte diese fast unbegrenzte gestalterische Freiheiten ein. „Idealbedingungen“, so Carvalho, die sich – selbst Kosmopolitin – immer dann am wohlsten fühlt, wenn glamouröser Lifestyle in coolem Understatement Ausdruck finden soll.

Die Eckdaten: Das Apartment erstreckt sich über zwei Ebenen, der Zugang liegt im oberen Stockwerk. Ein Fahrstuhl führt direkt in die Eingangshalle, von der sich in einer Richtung der Wohn-/Essbereich mit angegliederter Küche erschließt und in anderer das Fernsehzimmer, das seinerseits mit dem Büro verbunden ist. Die Räume der unteren Etage dienen dem persönlichen Rückzug: ein „Master Bedroom“ für die Hausherrin, zwei Kinderzimmer und ein Gästezimmer.
Ganz Innenarchitektin, nahm Carvalho zunächst eine kleine, aber bedeutende bauliche Änderung vor. Die Wand zwischen Eingangsbereich und Wohnzimmer wich einem schmiedeeisernen Gitter, womit nicht nur ein dekoratives Element geschaffen wurde, sondern sich auch eine neue Sichtachse auftat. Vor allem erlaubt es dem von der Fensterfront einfallenden Licht, sich ungestört in die hinteren Teile der Wohnung auszubreiten – dunkle Winkel sucht man hier also vergeblich.

Ein Blick in die Küche.

Cristina Jorge de Carvalho

Das ästhetische Konzept der Einrichtung lässt sich am ehesten mit „Harmonie der Gegensätze“ umschreiben. Es vereint den Norden mit dem Süden, stellt Klassiker neben Zeitgenössisches und fremde neben eigene Entwürfe, mischt auch bei den Materialien kräftig durch und würzt das Ganze mit einer Prise Lokalkolorit. Zusammengehalten wird das alles zunächst durch die Farben: Weiß, Grau und Silber, in feinen Nuancen aufeinander abgestimmt, legen die Tonart fest. Es ist ein Dreiklang von unbeschwerter Eleganz, in dem sich – dem Wunsch der Hausherrin entsprechend – eher ein Lebensgefühl ausdrückt als das Bedürfnis nach Wohnlichkeit im klassischen Sinn. Gut, dass mit dem rosig-weichen Tropenholzparkett ein wärmender Untergrund bereitsteht.
Bei Möbeln und Leuchten fallen erstmal die Klassiker ins Auge. Allen voran Mies van der Rohes Barcelona-Liege (1929) im Wohnzimmer und um den Esstisch die „Tulip Chairs“ des finnischen Designers Eero Saarinen. Hier macht sich Carvalhos Vorliebe für die klaren Linien nordischen Designs bemerkbar, speziell für die Entwürfe der 50er- und 60er-Jahre. Dazu passt die „Artischockenlampe“ über der Treppe, die 1958 für den dänischen Hersteller Louis Poulsen entstand. Die Tischlampe „Taccia“ von Achille und Pier Castiglione datiert aus derselben Zeit. Praktisch: Die Lichtschale aus transparentem Glas sitzt lose auf einem Aluminium-Fuß, sodass die Leuchte beliebig geschwenkt werden kann. Blickfang im Fernsehzimmer sind die Eames Stools (1960) aus massivem gedrechseltem Nussbaum. Auch sie entstammen, müßig zu erwähnen, der Liga der Design­ikonen.
Dazu sei angemerkt: Ikonen und Ikonen sind natürlich zweierlei. Auch hier gibt es die lauten und die leisen – letztere lassen durchaus noch anderes neben sich gelten. Dass die oben erwähnten Stücke in die zweite Kategorie fallen, ist also kein Zufall, sondern entspricht Carvalhos feinem Gespür für ästhetische Balance, dem Blick aufs Ganze, das bekanntlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Erstens: Die emblematischen Stücke können eben nur durch Understatement nebeneinander bestehen. Die Barcelona-Liege zum Beispiel gehört zu den unaufdringlichsten Möbeln überhaupt. Und zweitens: Sie sind nicht allein auf der Welt, auch die neueren Stücke verlangen ihren Auftritt. Und damit haben sie es ohnehin schon schwer genug. Um ihnen auf die Sprünge zu helfen, greift Carvalho noch einmal in die Trickkiste, überlässt die wenigen farblichen Akzente allesamt den Zeitgenossen: Die Sessel „Blonde“ im Wohnzimmer bringen kräftiges Gelb ins Spiel, die „Wrongwoods“-Kommode von Established & Sons Flaschengrün und Blau. Raumgreifend markant, mit glänzenden schwarzen Kegeln präsentiert sich die Stehlampe des jungen portugiesischen Labels Delightfull, mit der Carvalho der aufkommenden Designszene ihrer Wahlheimat Respekt zollt. Zugleich schafft sie hier eine Brücke zur Kunst: Die überlebensgroße Skulptur im Eingangsbereich, die Fotos an den Wänden und ein Großteil der Gemälde stammen ebenfalls aus Portugal.

Last but not least sind da die Objekte, die Carvalho mit ihrem eigenen Studio entwarf. Formal zurückhaltend, verlassen sie sich auf die Wirkung hochwertiger Materialien wie Samt, Seide und Wolle in Bio-Qualität, etwa beim Sofa und beim wunderbar edlen Teppich im Wohnbereich.

Zum Abschluss ein Blick ins untere Stockwerk. Während im Master Bedroom beruhigendes Grün dominiert – sie habe noch nie so gut geschlafen, sagt die Hausherrin –, wirken die Kinderzimmer relativ karg. Tatsächlich wurden sie in der Absicht konzipiert, eine neutrale Folie fürs Wachsen und Entfalten bereitzustellen, frei von jenen Niedlichkeiten, die man im Allgemeinen für kindgerecht hält. Einfallsreichtum, so Carvalho, hätten Kinder schließlich zur Genüge selbst. Fest steht: Das Ganze ist kein schlechter Ort, um groß zu werden – so oder so.     m