Geboren am 16. Februar 1960 in Wolfsberg/Kärnten - Doktorate in Jus, Politikwissenschaften und Kunstgeschichte - Diplomat in Abidjan, Genf und Bonn - Leiter des Österreichischen Kulturforums in New York (von 1999 bis 2007) - Operativer Geschäftsführer der departure - Wirtschaft, Kunst und Kultur GmbH (von September 2007 bis Oktober 2011) - Seit November 2011: Direktor des Museums für angewandte Kunst MAK in Wien

 

 

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums hat das Museum für angewandte Kunst seine Studiensammlung völlig neu interpretiert. So schaffen Themeninseln, wie zum Beispiel „Ornament“ (oben) und „Josef Hoffmann“ (unten), inspirierende Bezüge zwischen historischem Kunsthandwerk und zeit- genössischem Designschaffen.

 

 

#3 Oktober 2014

Design soll das Leben verbessern

Warum schwingt beim Begriff „Design“ in Österreich noch immer latente Verachtung mit? Ist das so?
Ja, das ist so. Vielleicht müssen wir die Frage „Wofür brauchen wird Design?“ umfassender beantworten. Wir leben ja in einer nicht unkomplizierten Welt, teilweise weit über unsere Ressourcen, da muss Design die Signale in die richtige Richtung lenken, damit generationsübergreifend verstanden wird, dass sich auch die vielen kleinen Dinge des Lebens in Summe auswirken.

Hat es in der Vergangenheit im MAK zu wenig Bemühungen gegeben, Design als integralen Bestandteil des Alltags zu präsentieren?
Ich würde sagen, dass der früher gängige Designbegriff im Sinne von Lifestyle zum Glück eher vernachlässigt wurde, aber die Entwicklung ist längst darüber hinweggegangen. Wenn heute eine Legende des Industriedesigns wie Dieter Rams sagt, es ist nicht die Aufgabe von Designern, neue Objekte zu entwerfen, sondern eine bessere Gesellschaft zu gestalten, sieht man, welchen Herausforderungen sich Design heute stellen muss. Das ist für uns ein guter Zeitpunkt, das Haus neu zu positionieren, und nicht umsonst haben wir das Design Labor als solches benannt.

Bei Ihrem Antreten vor drei Jahren haben Sie ja unter anderem als Ziel genannt, ein ganz junges Publikum zu erreichen. Wie weit ist das bisher gediehen?
Es gibt eine ausgezeichnete Kooperation mit dem Wiener Stadtschulrat, und der Besuch von Schülern ist für uns eine schöne tägliche Bereicherung. Seit Mai dieses Jahres zeigen Sie im Souterrain eine gigantisch bestückte Schausammlung aus Beständen des Hauses.

Macht diese sich schon in den Besucherzahlen bemerkbar?
Zuletzt hatten Sie rund 100.000 pro Jahr. Ein Aufwärtstrend ist klar erkennbar, allerdings fehlt uns das Geld für ausreichendes Marketing. Wir sind zuversichtlich, dass sich der Aufwärtstrend noch verstärken wird.

Sind 2.000 Exponate nicht ein bisschen viel auf einmal?
Auf einmal schon, aber zumal die Ausstellung ja gewisser­maßen in Kapitel strukturiert ist – Essen, Sitzen, Ornament und weitere –, kann man sie ja leicht in mehreren Besuchen erleben. Was wir jetzt tun müssen, ist, weiterhin neue Wege auch in dieser Alltagsnähe aufzuzeigen, um das Publikum immer wieder dafür zu interessieren. Das Ganze ist ja auf mehrere Jahre hin angelegt.

Die Gestalter, das Büro Eoos, haben weitgehend auf Beschriftungen verzichtet, man muss die Objekte via Handlisten identifizieren. Hat sich dieses System bewährt?
Ja, das betrifft ja vor allem jene Räume, in denen die große Anzahl der gezeigten Objekte Einzelbeschriftungen unmöglich macht. Bisherige Reaktionen des Publikums sind durchwegs positiv.

Sie nennen es bewusst nicht Ausstellung, sondern Labor. Warum?
Das muss jetzt halt mit Leben erfüllt werden, es wird viele Begegnungen, Lectures, Diskussionen etc. geben. Ich setze dabei auf die Kooperation mit Unternehmen, vor allem solchen, die Herausforderungen der Zeit erkennen und sich ihnen stellen. Damit sollte es auch gelingen, jüngere, sehr konsumbewusste Generationen für das Haus zu interessieren.

Nennen Sie uns ein Themenbeispiel, bitte.
Stichwort: Ernährung, Essen und Trinken. Food Design wird auf jeden Fall ein Thema sein, selbstverständlich nicht auf die ästhetischen Komponenten bildbeschränkt, sondern auch in Hinblick auf Ressourcen, Nachhaltigkeit, soziale Aspekte und andere Facetten dieses Themas. Jeder, der anstrebt, smart zu
altern, ist auch gut beraten, sich mit Food Design auseinanderzusetzen. Diese Diskurse dienen auch der Vorbereitung der Vienna Biennale, die wir mit Partnern machen wollen.

Warum schwingt beim Begriff „Design“ in Österreich noch immer latente Verachtung mit? Ist das so?
Ja, das ist so. Vielleicht müssen wir die Frage „Wofür brauchen wird Design?“ umfassender beantworten. Wir leben ja in einer nicht unkomplizierten Welt, teilweise weit über unsere Ressourcen, da muss Design die Signale in die richtige Richtung lenken, damit generationsübergreifend verstanden wird, dass sich auch die vielen kleinen Dinge des Lebens in Summe auswirken.

Hat es in der Vergangenheit im MAK zu wenig Bemühungen gegeben, Design als integralen Bestandteil des Alltags zu präsentieren?
Ich würde sagen, dass der früher gängige Designbegriff im Sinne von Lifestyle zum Glück eher vernachlässigt wurde, aber die Entwicklung ist längst darüber hinweggegangen. Wenn heute eine Legende des Industriedesigns wie Dieter Rams sagt, es ist nicht die Aufgabe von Designern, neue Objekte zu entwerfen, sondern eine bessere Gesellschaft zu gestalten, sieht man, welchen Herausforderungen sich Design heute stellen muss. Das ist für uns ein guter Zeitpunkt, das Haus neu zu positionieren, und nicht umsonst haben wir das Design Labor als solches benannt.

Bei Ihrem Antreten vor drei Jahren haben Sie ja unter anderem als Ziel genannt, ein ganz junges Publikum zu erreichen. Wie weit ist das bisher gediehen?
Es gibt eine ausgezeichnete Kooperation mit dem Wiener Stadtschulrat, und der Besuch von Schülern ist für uns eine schöne tägliche Bereicherung. Seit Mai dieses Jahres zeigen Sie im Souterrain eine gigantisch bestückte Schausammlung aus Beständen des Hauses.

Macht diese sich schon in den Besucherzahlen bemerkbar?
Zuletzt hatten Sie rund 100.000 pro Jahr. Ein Aufwärtstrend ist klar erkennbar, allerdings fehlt uns das Geld für ausreichendes Marketing. Wir sind zuversichtlich, dass sich der Aufwärtstrend noch verstärken wird.

Sind 2.000 Exponate nicht ein bisschen viel auf einmal?
Auf einmal schon, aber zumal die Ausstellung ja gewisser­maßen in Kapitel strukturiert ist – Essen, Sitzen, Ornament und weitere –, kann man sie ja leicht in mehreren Besuchen erleben. Was wir jetzt tun müssen, ist, weiterhin neue Wege auch in dieser Alltagsnähe aufzuzeigen, um das Publikum immer wieder dafür zu interessieren. Das Ganze ist ja auf mehrere Jahre hin angelegt.

Die Gestalter, das Büro Eoos, haben weitgehend auf Beschriftungen verzichtet, man muss die Objekte via Handlisten identifizieren. Hat sich dieses System bewährt?
Ja, das betrifft ja vor allem jene Räume, in denen die große Anzahl der gezeigten Objekte Einzelbeschriftungen unmöglich macht. Bisherige Reaktionen des Publikums sind durchwegs positiv.

Sie nennen es bewusst nicht Ausstellung, sondern Labor. Warum?
Das muss jetzt halt mit Leben erfüllt werden, es wird viele Begegnungen, Lectures, Diskussionen etc. geben. Ich setze dabei auf die Kooperation mit Unternehmen, vor allem solchen, die Herausforderungen der Zeit erkennen und sich ihnen stellen. Damit sollte es auch gelingen, jüngere, sehr konsumbewusste Generationen für das Haus zu interessieren.

Nennen Sie uns ein Themenbeispiel, bitte.
Stichwort: Ernährung, Essen und Trinken. Food Design wird auf jeden Fall ein Thema sein, selbstverständlich nicht auf die ästhetischen Komponenten bildbeschränkt, sondern auch in Hinblick auf Ressourcen, Nachhaltigkeit, soziale Aspekte und andere Facetten dieses Themas. Jeder, der anstrebt, smart zu
altern, ist auch gut beraten, sich mit Food Design auseinanderzusetzen. Diese Diskurse dienen auch der Vorbereitung der Vienna Biennale, die wir mit Partnern machen wollen.

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums hat das Museum für angewandte Kunst seine Studiensammlung völlig neu interpretiert. So schaffen Themeninseln, wie zum Beispiel „Ornament“ (oben) und „Josef Hoffmann“ (unten), inspirierende Bezüge zwischen historischem Kunsthandwerk und zeit- genössischem Designschaffen.

Ab wann soll es diese Biennale geben?
Ab 2015. Es wird ein interdisziplinäres Projekt werden, das Design, Architektur und Bildende Kunst verbindet und selbstverständlich international besetzt ist. Es gibt zum Beispiel ein Gemeinschaftsprojekt mit dem MoMA in New York über die Rolle von Architektur in Megacitys. Es wird auch deshalb spannend, weil Wien seit der Moderne immer noch als Ort des Interdisziplinären gilt und die Biennale eine Art Neustart werden kann.

Wie wird das Ganze finanziert?
Indem wir mit Partnern zusammenarbeiten und die derzeitigen Fundraising-Bemühungen bei Unternehmen fruchten. Interessierte Firmen sind uns sehr willkommen.

Wie ist es um den Gefechtsturm Arenbergpark bestellt? Sie wollten ihn viel bekannter machen. Das scheint nicht gelungen zu sein …
Der Wunsch, ihn wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist nach wie vor vorhanden, aber im Moment haben wir nicht die Mittel dazu. Es müsste sehr viel, ich schätze um die zwei Millionen Euro, investiert werden, um die behördliche Genehmigung zur Wiedereröffnung zu erlangen. Außerdem ist ein formaler Beschluss des Wiener Gemeinderats erforderlich. Intern spielt der Turm aber als Depot auch jetzt eine wichtige Rolle. Noch wichtiger ist mir der Erhalt der Dependance Geymüllerschlössel, ein wunderbarer Biedermeierbau, in dem wir immer wieder spannende Designerinnen und Designer ausstellen.

Und das MAK in Los Angeles?
Funktioniert sehr gut, wir haben im Schindler House ein bewährtes Ausstellungsprogramm, für das es immer wieder gut gelingt, in Amerika erhebliche Zuwendungen zu erhalten. Und im neuen Garage Top bei den Mackey Apartments haben wir eine feine Schiene eingerichtet, für die sich ehemalige Schindler-Stipendiaten ein Gegenüber in Los Angeles suchen und mit diesem eine Ausstellung realisieren.

Zurück nach Wien: Haben Sie mittlerweile eine klare Übersicht auf die MAK-Bestände, ist die zentrale Datenbank schon in Betrieb?
Wir arbeiten seit Jänner 2013 mit Hochdruck an der einheitlichen Museums-Datenbank, in der fast alle Objekte der Sammlung …

… wie viele sind das insgesamt?
Alles in allem rund 600.000, und wir versuchen bis Ende 2015, einen gewichtigen Teil davon zu erfassen. Können Sie gelungenes Design in einem Satz beschreiben?
Das ist Design, das das Leben der Menschen verbessert und zu einem Ausgleich zwischen dem Individuum und den mittel- und längerfristigen Interessen der Gesellschaft führt.