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Dezember 2019

Drop in & enjoy Life

Als erste ländliche Hippiekommune wurde die berühmt-berüchtigte Drop City in den 60er Jahren weltbekannt. Mit dem gleichnamigen Sofa-System zollt das deutsche Familienunternehmen Bretz dem dort herrschenden, allübergreifenden Freiheitsgedanken über ein halbes Jahrhundert später nun ein anspruchsvolles Design-Tribut. Entstanden ist ein lebendiges Gesamtkunstwerk, eine Oase der Selbstentfaltung – frei und weitab von den Konventionen des typischen Sofa-Mainstreams.

© Bretz Wohnträume GmbH

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Drop City war eine Künstler-Kommune der Hippie-Gegenkultur, die 1965 außerhalb von Trinidad im US-Bundesstaat Colorado von einer Gruppe von Freunden der Universität von Kansas gegründet wurde. Die grundsätzliche Absicht war es, ein bewohnbares Werk der „Drop Art“ zu schaffen, die von den "Happenings" von Allan Kaprow und den spontanen Performances von John Cage oder Robert Rauschenberg inspiriert war. Nachdem die Kommune im Untergrund berühmt wurde, kamen Menschen aus der ganzen Welt, um sich hier anzusiedeln und an den Bauprojekten zu arbeiten. Inspiriert von den architektonischen Ideen von Buckminster Fuller und Steve Baer errichteten die Bewohner Kuppeln und Zonoeder aus gefundenen, gespendeten oder billig gekauften Autodächern und anderen Materialien. So konnten sich die unkonventionellen Aussteiger oder „Droppers“ hier ihren großen Traum von Freiheit und Selbstverwirklichung realisieren – zumindest bis sich die Drop City gegen Ende der 70er Jahre wieder auflöste. 

Das gleichnamige Sofa-System der renommierten deutschen Möbel-Manufaktur Bretz – die 2020 übrigens ihr 125. Jubiläum feiert – ist im Spirit dieser Kommune entstanden und greift das entspannte „laid back“-Lebensgefühl der Hippies wieder auf.

„DROP bedeutet, sich einfach fallen zu lassen. CITY steht für den Mikrokosmos, den das Polstermöbel mit seinen drei verschiedenen Höhenebenen modelliert.“, fasst Designerin Dagmar Marsetz die Intension hinter dem ambitionierten Sofa-Projekt pointiert zusammen. 

Aus großen Sitz- und Lehnen-Elementen zusammengesetzt, ist jede dieser Komponenten von einem Mehrkammern-Inlett ummantelt und mit einer Mischung aus Latex-Stäbchen und Polyester-Bällchen befüllt. Dadurch erhält das Sofa-System die Anmutung und den Sitzkomfort von überdimensionalen Kissen-Elementen. Der daraus resultierende Faltenwurf und die ausgearbeiteten zipfligen Ecken unterstützen diesen bewussten „knautschigen Kissen-Charakter“ noch zusätzlich. Das stabile Holzgestell mit Nosag- und Bonell-Federkern ermöglicht durch einen mehrschichtigen Schaumaufbau einen hohen Grad an Sitzkomfort und Weichheit.

Der so essenzielle „spirit of freedom“ der Hippiebewegung wird bei Drop City mittels zweier intelligenter Techniken erreicht: den flexiblen, frei positionierbaren Verbindern und einem 23 cm bzw. 46 cm Raster, auf dem das Sofa-System erbaut ist. Hierdurch wird es möglich, dass jedes Polsterelement an allen Seiten miteinander verbunden und beliebig zueinander verschoben werden kann – die persönliche Komfortzone kann sich also mit den Bedürfnissen ihres Besitzers mitentwickeln. Das Resultat ist eine freie und collagenartige Art der Verbindung einzelner Bestandteile zu einer kreativen Sitz-Landschaft im individuellen Patchwork-Stil: Buchstäblich im Handumdrehen, wird so aus einem symmetrischen Sofa ein Sofa mit Übertiefe, ein Ecksofa oder es entstehen zwei einzelne Sitzelemente, die man einander gegenüberstellen kann.

Dadurch werden nicht nur Sofa-Optionen für Singles, Paare, Wohngemeinschaften oder Familien möglich, sondern vor allem auch für Büroräume, Bibliotheken, Bars oder Clubs. Da die Bezüge der Sofa-Elemente mit Klettverschlüssen befestigt und bei Bedarf abziehbar sind, können auch nachträglich neue Stoff- und Farbkombinationen ergänzt oder ausgetauscht werden – ganz im Sinne der individuellen Selbstverwirklichung. Im Zusammenhang mit der großen Vielfalt von Drop City ist der Bretz Konfigurator zu empfehlen, der den Kunden unter designer.bretz.de bei allen Fragen stets mit Rat und Tat zur Seite steht.

Um mehr über das intelligente Sofa-System und seine Schöpferin zu erfahren, hat sich MORE THAN DESIGN mit Dagmar Marsetz, der verantwortlichen Designerin für Drop City, auf ein persönliches Gespräch zusammengesetzt.

Guten Tag, Frau Marsetz. Seit wann designen Sie schon für Bretz?

Ich bin seit Mai 2016 im Unternehmen. Und da ging es auch direkt los mit der nächsten Produktentwicklung.

Wie ist die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Ich hatte Carolin Kutzera, Creativ Direktorin und heute auch Geschäftsführerin von Bretz, schon ein Jahr zuvor in Mailand während des Salone del Mobile kennengelernt. Wir waren uns direkt sympathisch und ich war begeistert von ihrer positiven und unkonventionellen Einstellung. Ein Jahr später suchte Bretz Verstärkung im Design und somit kamen wir zusammen. Ich war schon immer sehr neugierig hinter die Kulissen von Bretz zu blicken. In meiner Vorstellung musste das Unternehmen ungefähr so funktionieren, wie die Schokoladenfabrik von Willi Wonka. (lacht) Davon musste ich mir einfach selbst ein Bild machen.

Wie ist die Idee zu Drop City entstanden? Was war die Intention hinter diesem ambitionierten Projekt?

Es gab schon länger die Vorstellung ein formal simples Sofa zu entwerfen, welches besonders flexibel gehandhabt werden kann. Dafür waren für mich folgende Kriterien entscheidend: eine überschaubare Anzahl von kombinierbaren Elementen, ein flexibler Umgang bei der Zusammenstellung und eine einfache Handhabung in der Praxis. Wenn dann noch für den Kunden die Möglichkeit besteht, jedes Element individuell zu beziehen, nimmt man dem anfangs „simplen“ Modell seine Uniformität.

Wie lässt sich die Quintessenz von Drop City zusammenfassen?

Let loose in Drop City! Wortwörtlich im praktischen, sowie auch im emotionalen Sinne. Die freien Verbinder ermöglichen es, alle Sofaelemente zu lösen und neu zusammenzuführen. Die Bezüge sind frei wählbar. Darüber hinaus hat jedes Element einen Sitzkomfort eines überdimensionalen Kissens. Es lädt regelrecht dazu ein, sich fallen zu lassen und sich wohlzufühlen.

Gab es Herausforderungen beim Design und wenn ja, welche?

Natürlich, die gibt es immer. Man kämpft die ganze Zeit darum, dem ursprünglichen Bild, welches die eigene Vision vorantreibt, gerecht zu werden. Eine der größten Herausforderungen war es, das geeignete Füllmaterial für den Kissencharakter zu finden. Dabei wird nicht nur bedacht, dass das Sofa direkt nach dem Neukauf gut aussieht, sondern auch nach Jahren der intensiven Benutzung. Im Fall von Drop City ist das Design darauf ausgelegt, dass der Faltenwurf und die ausgearbeiteten zipfeligen Ecken der Elemente den Kissencharakter des Sofas auf Dauer sogar noch unterstützen.

Verraten Sie uns ein wenig zum Design- bzw. Fertigungsprozess von Drop City: Wie ist es hier um die Nachhaltigkeit bestellt? Welche Materialien verwenden Sie für Ihre Produkte?

Wir versuchen bei allen Arbeitsschritten bewusst mit Ressourcen umzugehen. Dazu zählt natürlich die Wahl von qualitativ hochwertigen Materialien, die sich über einen langen Zeitraum als beständig erweisen, und ebenso die Zusammenarbeit mit Zulieferern aus der Umgebung oder auch die Nutzung von zertifiziertem Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Die „Streifen“-Stoffe der Drop City stammen von einem hochwertigen italienischen Stoffhersteller, den wir sehr schätzen und mit dem wir jedes Jahr zusammen neue Qualitäten entwickeln. Wir sind der Überzeugung, dass nicht nur ein graues Sofa zeitlos sein kann. Warum nicht auch das Sofa in der persönlichen Lieblingsfarbe oder dem individuellen Lieblingsmuster? Wir bekommen immer wieder Zuschriften von Kunden, die auch noch nach 10 Jahren bequem auf ihrem Bretz Sofa sitzen. Und diese Langlebigkeit wird nur durch die hochwertigen Materialien und die ausgeklügelte Fertigung möglich! Übrigens: Dem Material Leder haben wir in der Zwischenzeit aus ethisch-ökologischen Gründen ganz entsagt.

Welche Projekte haben Sie und Bretz für die Zukunft geplant?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Es gibt aktuell so unglaublich viele interessante Ansätze, denen ich mich gerne widmen würde. Ich könnte mir für das nächste Jahr etwa eine neue Bettenkollektion sehr gut vorstellen. Aber ich stehe eindeutig vor der Qual der Wahl. (lacht)

Verraten Sie uns noch ein Geheimnis: Was war das schrägste Erlebnis, das Sie bisher in Ihrer Karriere erlebt haben?

(lacht) Schräg ist es bei uns fast jeden Tag. Das ist schon eher der Normalzustand – und der hat auch etwas Gutes: es wird nie langweilig und bleibt immer spannend!

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses erhellende Gespräch genommen haben, Frau Marsetz. MORE THAN DESIGN freut sich schon auf die nächsten intelligenten Projektentwürfe aus Ihrer innovativen Feder!

bretz.de

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