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Jänner 2019

Mayr & Glatzl: Stillstand ist Rückschritt

Die Geschichte der Mayr & Glatzl Innenarchitektur GmbH ist eine derjenigen, die nur das Leben schreiben kann: Nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Tischler an der HTL Mödling und dem Besuch eines Designcolleges, überlegte Joachim Mayr, seines Zeichens ältester Sproß einer Tischler-Familie, wie der Weg nun weitergehen soll. Zunächst stürzte sich Mayr ab 1993, ganz im Zeichen der Familiengeschichte, auf das Tischlerhandwerk und feilte an seinen Fertigkeiten. Auch Ing. Heinz Glatzl war seit seiner Kindheit fest mit der Architekturbranche verwachsen – und das nicht nur aufgrund seiner umsetzungsaffinen Familie und der eigenen Werkstatt im Haus! Glatzls Vater, der in der Bauabteilung der Österreichischen Bundesforste arbeitete, nahm seinen Sohn schon in jungen Jahren mit auf die Baustellen und nährte so früh dessen spätere Leidenschaft für Design, Gestaltung und auch Holzarbeit. So ergab es sich quasi wie von selbst, dass Glatzl nach seinem Abschluss der HTL Mödling eine Hochbauausbildung in Angriff nahm, nach der er 3 Jahre lang zunächst in einem Architekturbüro arbeitete.

Im Herbst 1999 kam es – mehr oder minder durch einen Zufall - dann zum schicksalsträchtigen Treffen der beiden kreativen Köpfe: Die Bibliothek in Mayrs Heimatort Lunz am See bedurfte eines Neubaus und wurde nichtsahnend zum Nährboden für eine kleine Revolution im Bereich der österreichischen Architektur- und Designbranche. Mayr, der den Tischlerauftrag an Land gezogen hatte, wurde von seinem Vater nach der ersten Projektbesprechung auf einen „jungen Bursch“ aufmerksam gemacht, der ihm „taugen“ wird. Nachdem Mayrs Vater den Kontakt zwischen beiden hergestellt hatte, zeigte sich bereits beim ersten Treffen bzw. „Workshop“ in der Werkstatt, dass dies der Beginn von etwas Großem sein wird. Mayr und Glatzl hatten dermaßen Spaß beim kreativen Austausch, dass sie nicht nur ihre ersten Möbel entwarfen, sondern sich auch gleich daran machten, diese Ideen in der Realität umzusetzen. Ganz getreu dem Credo „Wenn wir was machen, dann geht das immer ratzfatz!“

Während Mayr und Glatzl bereits zu dieser Zeit viel auf Messen und Events unterwegs waren und ihre Kreationen ausstellten, kam es nur zwei Jahre später dann zu einem ersten Meilenstein im Leben der beiden „Partner in Design“ – denn im Dezember 2001 wurde dann offiziell die Mayr & Glatzl Innenarchitektur GmbH gegründet! Und auch hier wurde wieder keine Müdigkeit vorgeschützt: Jahrelang nahmen die beiden jede Chance wahr, sich und ihre Projekte zu präsentieren – meist auf eine sehr innovative und eigenständige Art: Mayr erinnert sich in diesem Zusammenhang etwa gerne an eine Party in deren Rahmen die zuvor aufgebaute Gartengestaltung vor versammeltem Publikum abgebrannt wurde.

Seit 17 Jahren sind die beiden nun gemeinsam erfolgreich, obwohl seinerzeit alles sehr bescheiden und in einem „echt herzigen“ Büro in der Kreuzgasse begann. Gemeinsam aus dem Nichts erschaffen, war das Motto des neu gegründeten Designbüros bereits von Anfang an „think big!“ Konträr hierzu, ist M&G über viele Jahre bewusst langsam und gezielt gewachsen – lange Zeit hatte das Büro nur zwei weitere Mitarbeiterinnen neben den beiden Gründern, mittlerweile ist das Wiener Team auf 15 Mitarbeiter angewachsen. Während der Beginn des Wegs vor allem vom Möbeldesign geprägt war, war dies den beiden Umsetzern bald zu wenig und der Weg führte in die Raumarchitektur: Bestände wurden nicht mehr nur möbliert, sondern es wurde immer mehr in die Räume eingegriffen - denn das Gesamtprojekt lag den beiden schon immer näher am Herzen. 2004 wurde dann bereits das erste komplette Haus samt Garten und Möblierung geplant und auch umgesetzt.

Architekturaffinität und Gestaltungswille sind die beiden Leitgedanken, die das Schaffen von Mayr und Glatzl im Kern prägen. Dieses kolportierte Wechselspiel zwischen Architektur bzw. Bauleitung und Innenarchitektur gipfelte schließlich im berühmten Formdepot, das mit Glatzls Architektur und Mayrs Interieur wiederum ein Projekt war, dass sich in den Händen von M&G befand und das essentielle Credo „form follows function“ widerspiegelte. Einer der wichtigsten Einflüsse für das Konzept dieses neuen Showrooms war die Bauhausbewegung um Walter Gropius und deren inklusive Einstellung zu Architektur und Design - das sogenannte Gesamtpaket. Ähnlich wie auch beim Bauhaus, ist das Formdepot als eine Art Nährboden für alle Spielarten des Design, der Architektur und der Handwerkskunst konzipiert. Hier greifen alle Teile ineinander, wodurch ein Forum für gegenseitige Inspiration und innovative, grenzüberschreitende Kooperationen geschaffen wird. Ein Grenzgang – jedoch stets sinn- und stilvoll! Denn, was den beiden sehr wichtig ist, ist das Abwägen: zwischen Form, Stil, Schönheit und vor allem auch technischer und handwerklicher Umsetzbarkeit. Denn an der Realität vorbeizuplanen, kommt schlicht nicht in Frage!

Das Formdepot zollt mit seinem inklusiven Gedanken dem Bauen als größtem Teambewerb der Welt Tribut: Mayr und Glatzl haben sich mittlerweile zahlreiche international renommierte Members und Partner ins Boot geholt, die teils sehr unterschiedliche Philosophien, Interessen und auch Budgets an den Tisch bringen, jedoch alle den kollektiven Grundgedanken des Duos verinnerlicht haben und auch leben. Die Atmosphäre innerhalb des Formdepots ist so geprägt von gegenseitigem Verständnis, einem offenen Diskurs, dem Willen zur Weiterentwicklung und der laufenden Optimierung der Prozesse.  

Ein essentieller Aspekt am Formdepot ist für die beiden Gründer der Kunde - im Gegensatz zu vielen „Architekturphilosophen“, steht bei M&G nicht die Selbstverwirklichung im Zentrum, sondern die „Kundenverwirklichung“. „Die Leute sollen fliegen, nicht das Haus.“, fasst es Mayr pointiert zusammen. Dank des breiten Spektrums an Architektur und den zahlreichen verschiedenen Techniken der Member und Partner ist das Formdepot ein Schlaraffenland für die Kunden. Denn hier geht es nicht nur um das Produkt, sondern auch um dessen Anwendung – der Beratungsgedanke ist, ebenso wie die vorher erwähnte Praktikabilität, wesentlich. Ganz abgesehen von der Qualität der Produkte, die auch nach 17 Jahren M&G kontinuierlich höchstklassig ist.

Das Formdepot kann als die Konsequenz der Eigen- und Leidenschaften von Mayr und Glatzl gesehen werden, es ist „eine sehr freie, aber auch sehr strukturierte Herausforderung“, die viel Expertise auf stilvollem Raum bündelt. Hierdurch werden gegenseitiges Lernen, Neu- und Weiterentwicklungen sowie Verbesserungen nicht nur zu einem zeitweisen, sondern zu einem konstanten Moment des Antriebs. Mayr und Glatzl streben in diesem Zusammenhang auch eine Öffnung für neue Partner an – wobei hier natürlich sowohl große Betriebe als auch kleine „Schmuckstücke“ in Betracht gezogen werden. Obwohl die Mayr & Glatzl Innenarchitektur GmbH seit den 17 Jahren ihrer Gründung stark gewachsen ist, kann dieses Wachstum fast nicht mehr von dem des Formdepots getrennt werden, da die beiden Gründer vollkommen darin aufgehen, was sich etwa daran äußert, dass das Marketingbudget von M&G für Aktivitäten des Formdepots gebündelt wurde.  

Eine weitere Verschränkung des Architekturbüros und des Showrooms brachte der Formdepot Salon mit sich. Fasziniert vom Wiener Salongedanken und der damaligen Kultur des frühen 20. Jahrhunderts, beschließen Mayr und Glatzl ihre eigene Version davon ins Leben zu rufen. Das Ziel ist es, mit Designern, Handwerkern, Architekten, Kreativen und Auftraggebern die richtigen Leute zusammenzubringen und eine gegenseitige Inspiration zu initiieren, die idealerweise in gemeinsamen, interdisziplinären Projekten und Kollaborationen mündet. Das Konzept des Formdepot Salons beschränkt sich dabei nicht auf die zahlreichen eigenen Member, sondern bietet immer auch zusätzlichen externen Partnern, wie etwa jungen aufstrebenden DesignerInnen oder auch etablierten Marken wie der Firma Backhausen (die 2019 nicht nur 160 Jahre Jubiläum, sondern auch eine Neuausrichtung des Unternehmens feiert), eine Plattform, um ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und dabei das eigene Netzwerk zu erweitern.

Und auch die Zukunft scheint noch viel Positives bereitzuhalten für die beiden Tausendsassa Mayr und Glatzl. Das Wichtigste gleich vorab: die Vertiefung des Hedonismus im Formdepot – oder präziser gesagt, die stärkere Einbringung des Themas Genuss in die Arbeit! So haben beide etwa eine große Affinität zu gutem Essen, wobei hier nicht teures Essen gemeint ist, denn Mayr ist ein „Fleischpflanzerl noch immer lieber als Hummer“. Dieses Faible äußert sich nicht selten darin, dass Mayr gemeinsam mit und für seine Mitarbeiter im Formdepot kocht – so einen Chef wünscht sich doch jeder! Den beiden Gründern war die Kultur des Einladens quasi schon in die Wiege gelegt – ebenso wie die Überzeugung, dass aus solchen Einladungen generell Positives resultieren und eine Wertegemeinschaft sich so schnell zu einer echten Freundschaft entwickeln kann. Gleichermaßen essentiell ist die Etablierung eines Lifestyles, der von einem starken Bewusstsein für nachhaltige Qualität und regionale Produkte (sowohl beim Essen als auch beim Arbeiten) bestimmt ist – ein Denkansatz, der sich innerhalb der Branche hoffentlich breitenwirksam durchsetzen wird. Auch das sinnvolle Wachstum bzw. eine gewisse Selbsteinschränkung, sowohl ihres eigenen Architekturbüros als auch des Formdepots, ist beiden ein sehr bedeutsamer Aspekt – ebenso das Schaffen eines absoluten Mehrwerts für Kunden und Partner. Was sich innerhalb des gestalterischen Kollektivs auf keinen Fall ändern wird, ist die Wertschätzung des Handwerks und der Partner, da Mayr und Glatzl der festen Überzeugung sind, dass je besser man zusammenpasst, desto bessere Ergebnisse werden auch entstehen.

Mayr und Glatzl haben sowohl mit der Mayr & Glatzl Innenarchitektur GmbH als auch dem Formdepot und ihrem eigenen Salon für einen Umbruch gesorgt und die Trennlinien zwischen den verschiedenen Disziplinen bewusst verschwimmen lassen. Einerseits, um aufzuzeigen, dass diese Abgrenzungen bis zu einem gewissen Grad künstlich sind, und andererseits, um eine Heimstatt für Design und Architektur zu schaffen, die sowohl für den Kunden als auch die Partner-Betriebe einen Mehrwert schafft, der nicht von der Hand zu weisen ist. Chapeau!

www.mayr-glatzl.at

www.formdepot.at

Sie möchten beim Formdepot Salon 2019 dabei sein und die Arbeiten von Mayr & Glatzl live und hautnah erleben? Dann melden Sie sich schnell an!

www.formdepot.at/salon/anmeldung

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