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Dezember 2018

Ikonen der Architektur: Oscar Niemeyer

Oscar Niemeyer veränderte die brasilianische Architektur von Grund auf und war ein wesentlicher Faktor, dass das Land seine Hauptstadt nach Brasília verlegte - eine von ihm entworfene Stadt, die letztendlich zum UNESCO-Weltkulturerbe wurde.

1956 besuchte der neu gewählte brasilianische Präsident Juscelino Kubitschek Oscar Niemeyer in seinem Haus in Rio de Janeiro. Dort, in einem modernistischen Haus mit weißen Dach, das als Casa das Canoas bekannt ist, unterbreitete Kubitschek dem Architekten eine seit langem diskutierte Idee: die Hauptstadt des Landes aus Rio de Janeiro mit seiner kolonialen Vergangenheit in die zentral gelegene Stadt Brasília zu verlegen! Um den Umzug zu legitimieren, würde die neue Hauptstadt über eine Reihe von Gebäude verfügen, die Niemeyer entworfen hat. Der berühmte Architekt stimmte zu und wurde bald von Lúcio Costa (einem weiteren berühmten brasilianischen Architekten), der den Stadtplan entwarf, und Roberto Burle Marx, der für die Landschaftsgestaltung zuständig war, unterstützt. Als die Stadt nur vier Jahre später eingeweiht wurde, präsentierte Brasilien der Welt eine weitläufige neue Metropole, die um einen Regierungsplatz angeordnet wurde und zu einem Leuchtfeuer modernistischer ästhetischer Ideale wurde.

Three Powers Plaza, in der Mitte der Monumental Axis gelegen, wurde das Zuhause drei der weißen Betonkonstruktionen Niemeyers: das Oberste Bundesgericht, der Präsidentenpalast und der Nationalkongress Brasiliens. Das mit Glas ummantelte Gebäude des Obersten Bundesgerichts sitzt auf einer Plattform, die zu schweben scheint, und befindet sich innerhalb einer wellenförmigen Kolonnade. Der Präsidentenpalast wurde auf die gleiche Art und Weise gestaltet, mit einem ganz eigenen Design, das durch die Reflexionen des angrenzenden Gewässers noch kraftvoller erscheint. Das Gebäude des Nationalkongresses verfügt über zwei Türme, die von einem langen, niedrigen Gebäude mit einer Kuppel, unter der der Senat arbeitet, und einer konkaven Scheibe über der Abgeordnetenkammer ergänzt werden. Kurz nach der Fertigstellung der Gebäude wurde Niemeyer zum Leiter der Architekturhochschule der Universität von Brasília ernannt.

1965, nachdem ein Militärputsch Humberto de Alencar Castelo Branco zum Diktator des Landes machte, trat der sozialdemokratische Niemeyer aus Protest von seiner Position an der Universität zurück und ging nach Frankreich - für ganze 20 Jahre. 1970, als er das Land bereits mehrere Jahre verlassen hatte, wurden zwei seiner beeindruckendsten Gebäude fertiggestellt: die Kathedrale von Brasília, eine konische Hyperboloid-Struktur mit hoch aufragenden weißen Säulen, und der Itamaraty-Palast, ein außenpolitisches Gebäude, das das Design des Obersten Bundesgerichts widerspiegeln sollte, mit einer Reihe von Bögen, die eine Glaskonstruktion umschließen.

1985 kehrte Niemeyer nach dem Sturz der Diktatur zurück und vollendete zwei Jahre später das Denkmal der indigenen Völker der Stadt, ein zylindrisches Museum zur Ehrung kultureller Artefakte. Ebenfalls 1987 wurde Brasília aufgrund seiner visionären Architektur und Planung zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Ein Jahr später erhielt Niemeyer verdientermaßen den renommierten Pritzker-Preis. 2002 fügte Niemeyer das Bürogebäude des Generalstaatsanwalts und 2006 den Kulturkomplex der Republik hinzu, einen Platz, zu dem das Nationalmuseum der Republik und die modulare Nationalbibliothek von Brasília gehörten. Als Niemeyer dann 2012 im Alter von 104 Jahren verstarb, war sein Erbe als brillanter Architekt der brasilianischen Hauptstadt und seine Position als Meister der Moderne in der Architekturwelt fest verankert.

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