• Wohnen mit den Puotilas: Das rund 100 Quadratmeter große Wohnzimmer im Haus der Puotilas ist nach Süden ausgerichtet und verfügt über eine komplett verglaste Fensterfront. So fällt auch im dunklen finnischen Winter viel Licht ins Innere. Im Zentrum der Einrichtung steht der Teppich Squareplay von Woodnotes mit effektvollen Schwarz-Weiß-Kontrasten. © Woodnotes

     

  • Understatement Design: Auf der Mailänder Möbelmesse stellte Woodnotes in diesem Jahr die Beistelltische Twiggy von Raffaella Mangiarotti und Ilka Suppanen vor. Passt genau ins Interior des Puotila-Hauses mit seinen Farbklang in Beige-Weiß-Grau mit schwarzen Einsprengseln! © Woodnotes

     

  • In der Kabelfabrik: Woodnotes ist einer stillgelegten Kabelfabrik von Nokia untergebracht – zusammen mit Architektur- und Designstudios, Kunstgalerien, Shops und Restaurants. Das Loft dient zuweilen auch als verlockender Hintergrund für die Produktshootings von Woodnotes. Im Bild: der Holzstuhl Siro, der Beistelltisch Twiggy und Vorhänge aus der komplett handgefertigten Studio Collection. © Woodnotes

     

November 2018

Es bleibt in der Familie: Zu Besuch bei Woodnotes in Helsinki

Ritva und Mikko Puotila sind Textilpioniere. Sie haben ein längst vergessenes Material wiederentdeckt: Papiergarn. Wir wollten wissen, was man daraus alles weben kann und wie man traditionelles Handwerk in zeitgenössisches Produktdesign übersetzt. Ein Besuch im Woodnotes-Designstudio und in der Familienvilla.

Es kommt nicht oft vor, dass Mutter und Sohn zusammen ein Unternehmen gründen. Doch schaut man sich die Familiengeschichte der Puotilas an, dann erscheint es irgendwie logisch. Ritva Puotila ist seit den fünfziger Jahren nicht wegzudenken aus der finnischen (Textil-)Designszene, ihr Mann Paule arbeitete als Interiordesigner. Der jüngste Sohn Mikko studierte Marketing, wollte sich unbedingt selbständig machen und suchte nach einer Geschäftsidee. Da kam der Geistesblitz seiner Mutter, Produkte aus Papiergarn herzustellen, gerade richtig. „Design war in unserer Familie immer wichtig, wir wohnten mit Möbelklassikern von Eero Saarinen und Arne Jacobsen“, erzählt er bei einem Krabbenbrot an der Uferpromenade von Helsinki – dort, wo die Stadt am schönsten ist. Die wald- und seenreiche Natur hat das finnische Design ganz wesentlich geprägt, was man auch den Produkten von Woodnotes ansieht: Teppiche, Rollos, Vorhänge und Accessoires aus Papiergarn sowie Möbel aus Holz – in schlichten Formen und zurückhaltenden Farben.

Stoff für Geschichten
Mit der Gründung von Woonotes haben sich Ritva und Mikko Puotila 1987 auf eine abenteuerliche Reise begeben. Die Arbeitsteilung ist heute noch so wie damals: Die Mutter ist für die Gestaltung zuständig, der Sohn für das Marketing. Die Anfänge seien nicht leicht gewesen, erzählt Mikko, denn in Finnland herrschte Rezension. „Niemand verstand unser Produkt, wir waren zu früh damit am Markt und niemand interessierte sich für Gardinen und Rollos“, seufzt er und erwähnt, dass die wirtschaftliche Lage so prekär war, dass er sogar seine Wohnung verkaufen musste. Woodnotes ist heute einer der wenigen Hersteller, der überhaupt noch mit Papiergarn webt. Das Material – das im 2. Weltkrieg als Ersatz für Wolle diente und aus dem Schuhe und auch Teppiche hergestellt wurden – hat viele positive Eigenschaften: Es ist robust, wasserabweisend, hygienisch, nachhaltig. Und es hat eine besondere Ästhetik, die sehr skandinavisch anmutet und auch ein wenig japanisch. Gestalterisches Understatement mit einem gewissen Je ne sais pas quoi, könnte man es zusammenfassen. „Papiergarn ist kein lautes Material und dient als Hintergrund für den Menschen“, bringt es Ritva auf den Punkt. Der lange Atem der Woodnotes-Gründer, das Vertrauen in die Qualität der eigenen Produkte hat sich ausgezahlt, denn inzwischen zählt das Unternehmen rund dreißig Mitarbeiter. Die Wende kam 1992, als Woodnotes das erste Mal auf der Kölner Möbelmesse ausstellte und mit einem Schlag 400 Teppiche verkaufte.

Im Gespräch mit ...
... Ritva Puotila, Designerin und Gründerin von Woodnotes

Mehr zu den Köpfen hinter Woodnotes und dem steinigen Weg zum Erfolg gibt es in der aktuellen Ausgabe MORE THAN DESIGN Oktober 2018 zu lesen.

Auch ganz bequem unterwegs via Readly: www.readly.com/morethandesign

Text: Claudia Simone Hoff

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