• Der Handelsstreit zwischen den USA und China entwickelt sich zu einer Schlacht, die am Rücken der Industrie und Endkunden ausgetragen wird. © Getty Images/baona

     

  • Zwischen 10 und 25 Prozent: So hoch sind die Strafzölle auf eine unfassbare Bandbreite an Gütern. © Getty Images/adventtr

     

  • Ob Bau, Design oder Einzelhandel: kaum eine Branche ist nicht mit den negativen Auswirkungen der Strafzölle konfrontiert. © Getty Images/honglouwawa

     

November 2018

Ein Streit mit weitreichenden Folgen

Im vergangenen März, als die amerikanische Regierung Strafzölle für Stahl und Aluminium mit 25 bzw. 10 Prozent ankündigte, gab das American Institute of Architects (AIA) eine Erklärung gegen die erhöhten Kosten ab, die für die Designindustrie anfallen würden: "Jeder Schritt, der die Baukosten erhöht, gefährdet das heimische Design und die Bauindustrie", hieß es. Während Branchen wie das Baugewerbe, dass zu dieser Zeit aufgrund der fast vor einem Jahr verhängten Strafzölle bereits unter erhöhten Holzpreisen litt, oder die Metallindustrie den Druck zunehmend spüren,  wird speziell die Designindustrie im kommenden Jahr stärker betroffen sein - denn die Handelskriege haben gerade erst begonnen.

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Beginnend mit dem 6. Juli 2018 traten weiterere Strafzölle auf unzählige chinesische Importwaren in Kraft: Während in dieser ersten Runde zusätzliche 25 Prozent Zollgebühren auf schwere Maschinen und Ausrüstungen erhoben wurden, wurde am 23. August ein weiterer Strafzoll von 25 Prozent auf eine neue Klasse von Importen ratifiziert - hauptsächlich waren hier Chemikalien betroffen, die in Kunststoffen verwendet werden. Am 24. September trat wiederum eine Liste in Kraft, die fast 6.000 weitere Artikel umfasste. Dieser 10-Prozent-Tarif, der eine enorme Bandbreite an Rohmaterialien und fertigen Waren umfasst, wird am 1. Januar 2019 dann auf 25 Prozent angehoben. Wie wirken sich diese Strafzälle auf die Planungs- und Bauindustrie aus? Die Wohnungsbaubranche, die aufgrund der gestiegenen Operationskosten bereits Einbußen hinnehmen musste, erlitt durch das Inkrafttreten der neuen Strafzölle einen weiteren, schweren Schlag: Von den chinesischen Importen im Wert von 200 Milliarden US-Dollar werden Güter im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar für den Wohnungsbau verwendet, so die National Association of Home Builders (NAHB). Wenn der Zinssatz im Januar dann auf 25 Prozent angehoben wird, wird die Kostensteigerung für die Industrie einer effektiven "Steuer" im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar entsprechen.

Die jüngste Tarifrunde umfasst abermals ein breites Spektrum an Produkten und Materialien: Dielen, Leuchten, Schränke, Waschmaschinen, Dachziegel, Werkzeuge, Zement, Türen, Küchenschränke, Granit und Quarz sind hier mit dabei - um nur einige zu nennen! Während viele dieser Produkte auch im Inland oder aus anderen Ländern erhältlich sind, gibt es für einige keine geeigneten Ersatzstoffe. Da so viele Baustoffe und -teile betroffen sind, resultiert hieraus eine Erhöhung der Materialkosten, die nicht nur für Bauherren, sondern auch für Architekten, Designer, Ingenieure und Hersteller in der gesamten Designbranche einen deutlich spürbaren Einfluss hat - es kommt zu einem Trickle-Down-Effekt, der sich auf die gesamte Dienstleistungsbranche auswirkt.

Obwohl die Nachfrage nach Renovierungsarbeiten im Wohnbereich vor dem Inkrafttreten der Strafzölle stark angestiegen war, stiegen gleichzeitig auch die Kosten für Arbeitskräfte und Treibstoff bereits, wodurch sich die Gewinnspanne der Unternehmen merklich verringerte. Zur Deckung dieser Verluste können Bauherren etwa Verträge mit Klauseln aushandeln, die Preisanpassungen aufgrund erheblicher Kostensteigerungen im Verlauf eines Projekts ermöglichen - sehr zum Unmut vieler Kunden, die nicht bereit sind, mit dieser Kosten-Unsicherheit zu leben. Einige der Kosten müssen jedoch zwangsläufig weitergegeben werden - und diese Auswirkungen wird das untere Ende des Marktes am stärksten treffen: Während beim Bau von Luxusimmobilien eine größere Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Kunde die finanzielle Flexibilität hat, um erhöhte Kosten abzufangen, können sich tarifbedingte Aufschläge bei preisgünstigeren Wohnungen bereits sehr negativ auf das pohnehin knappe Budget auswirken. 

Und die Wohnungswirtschaft ist nicht alleine: Der Bau von Gewerben, Institutionen, Industrie und Infrastruktur sieht sich mit ähnlichen Auswirkungen und Einschränkungen konfrontiert. Erhöhte Kosten für ein derart breites Materialspektrum - und das zusätzlich zu den ohnehin schon bestehenden Herausforderungen für qualifizierte Arbeitskräfte oder Treibstoffe - werden die Aussichten für öffentliche und private Projekte nach Ansicht der Associated General Contractors of America (AGC) ebenfalls beeinträchtigen. Infolgedessen könnten viele der Unternehmen verkleinert werden und Projekt-Chancen gänzlich verloren gehen.

Einrichtungsgegenstände gehören ebenfalls zu den sanktionierten Artikeln - Einzelhändler und Zulieferer wie Walmart und Wayfair, die eine große Anzahl dieser Waren aus China importieren, sind hier am stärksten betroffen. Eine Branchenumfrage sagt, nicht sehr überraschend, voraus, dass die Zulieferer im Zuge der momentanen Ereignisse über den Tellerrand China hinausblicken und sich Alternativen suchen werden (müssen). Ebenfalls wird prognostiziert, dass Verkäufer die Preise anpassen und zumindest einen Teil der erhöhten Kosten an die Endkunden weitergeben werden. Einige Unternehmen sehen die vielerorts angeprangerten Strafzölle jedoch auch als etwas Positives, denn dies könnte langfristig zu weniger Konkurrenten führen. 

Obwohl die gesamten Auswirkungen der Strafzölle auf die Planungs- und Bauindustrie noch unklar sind, muss die Designbranche kommendes Jahr mit einer gewissen Unbeständigkeit rechnen - und auf diese sollte man sich entsprechend (panikfrei) vorbereiten. Denn es ist ist nicht das erste Mal in der jüngeren Geschichte, dass die amerikanische Regierung und Chinas Handelspolitik in Konflikt gerieten. Zum größten Problem könnte sich hierbei der Zeitrahmen entwickeln, denn derartige "Handelskriege" haben eine durchschnittliche Halbwertszeit von vier bis fünf Jahren - eine echte Lösung dieses tariflichen Konflikts könnte also bis 2020 auf sich warten lassen!

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