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Dezember 2018

Heilbronn wird grün

Als Teil der Bundesgartenschau-Stadtausstellung entsteht 2019 ein neues Wohnviertel in Heilbronn - Pate für das Projekt an der Neckar steht das Bauhaus. 

London gilt seit der Olympiade 2012 als Vorreiter, seither versuchen sich Großprojekte wie Sportverantstaltungen oder Expos in der Um- und Weiternutzung ihrer Ausstellungsorte - so auch Heilbronn! Als Teil der Bundesgartenschau 2019 entsteht das Stadtquartier Neckarbogen: Lebensraum für 3.500 Menschen, Wohnviertel mit 22 Häusern, etwas mehr als 50 Prozent davon wohnen zur Miete, der Rest ist Eigentum.

„Man muss Stadt im 21. Jahrhundert neu denken“, sagt Barbara Brakenhoff. Die BUGA-Architektin ist verantwortlich für den 1. Bauabschnitt des neuen Stadtquartiers und nach Projekten in Hamburg, Berlin und Leipzig nun in der Stadt am Neckar tätig. „Gärten, das sind heute nicht mehr nur schöne Blumen und geharkte Wege“, sagt Brakenhoff, wenn sie über den konzeptionellen Überbau des Projekts spricht, der im Zuge der BUGA natürlich ein grüner ist. „Garten ist im 21. Jahrhundert eben auch Landschaftsarchitektur und die Gestaltung von öffentlichem Raum generell.“ Die Dichotomie Stadt/Land beziehungsweise Garten ist ihrer Meinung nach längst obsolet. Und so ist es nur konsequent, dass die BUGA erstmals seit fast 60-jährigem Bestehen auch eine Stadtausstellung im Programm hat, die ein real nutzbares Wohnprojekt hervorbringt.

Pünktlich zur Eröffnung der Großveranstaltung – man rechnet mit bis zu 2,5 Millionen Besuchern – sollen in dem Viertel bereits 800 Menschen wohnen. Dafür wurden seit Baubeginn 600.000 Kubikmeter Erde auf der 40 Hektar großen Industriebrache im Norden des Heilbronner Hauptbahnhofes bewegt, ein Großteil davon war durch Alt- und Kriegslasten kontaminiert. „Wir wollen eine lebendige Infrastruktur erschaffen, mit unterschiedlichem Gewerbe und Einzelhandel sowie einer Kindertagesstätte und Studentenwohnungen“, erklärt Brakenhoff das Konzept der sozialen Mischung.

Die architektonisch-städtebauliche Entwicklung und Betreuung dieses ersten Bauabschnitts hat die BUGA GmbH übernommen, auch die Beratung der Bauherren und Architekten, sie ist Triebfeder der fristgerechten Verwirklichung und steht für Qualitätssicherung.

Dass der Neckarbogen größtenteils barrierefrei, energieeffizient und nach Möglichkeit mit umweltschonenden Materialien entsteht, gehört zum Standard modernen und zukunftsgerichteten Bauens. Die Ausschreibung wurde – auch da war die BUGA Geburtshelferin – über ein Investorenwahlverfahren ausschließlich nach Qualität entschieden und nicht nach Investitionsvolumen. Doch bei der Planung dieses Leuchtturmprojektes wollten die Verantwortlichen noch weitergehen: „Architektur als Gesamtkunstwerk verstehen und mit anderen Künsten und Gewerken verbinden, das ist das ist doch eins zu eins der Bauhausgedanke“, findet Brakenhoff. Und tatsächlich: Architektur, Baumaterial, Gestaltung und Ausstattung des ersten Bauabschnitts sind getragen von den Entwicklungen der Bauhausideen und haben ihrerseits den Anspruch, sowohl zukunftsweisende wie auch gebrauchs-ästhetische Entwicklungen ausstellungsreif zu verwirklichen.

Zur Eröffnung der BUGA im April 2019 soll die Entstehung des Neckarbogens und die Anbindung an den Bauhaus-Gedanken für Besucher aufbereitet werden: In den unteren Geschossen der Häuser findet zu diesem Zweck eine Ausstellung statt. „Da spannen wir dann auch nochmal den Bogen vom Bauhaus hin zu der heutigen modernen Architektur, so Brakenhoff. „Die Idee, dass der Mensch im Mittelpunkt der Architektur steht, ist doch heute mindestens genauso aktuell wie zu Zeiten von Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe.“

Der Gedanke, ganzheitlich zu bauen und zu leben, findet sich neben dem Neckarbogen als Teil der BUGA-Stadtausstellung auch in dem Pavillon „Building from Waste“: Er wird komplett aus Abfall produziert und von Studenten des Karlsruher Instituts für Technik (KIT) entworfen - ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Popularisierung neuer Bau- und Werkstoffe in einer Baukultur der Zukunft und in diesem Sinne auch in der Tradition des Bauhausgedankens stehend. Am 20. Februar dieses Jahres entscheidet eine Jury, welcher Entwurf umgesetzt werden kann. „Das Bauhaus muss wieder mehr in die Bevölkerung getragen werden“, das ist der BUGA-Architektin wichtig. Dass es dieses Mal ein grünes Dach hat, ist für sie auch die logische Fortsetzung der traditionsreichen Gartenausstellung: „Die BUGA muss sich den Themen des 21. Jahrhunderts anpassen.“

www.buga2019.de

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